Alleinerziehende tragen jeden Tag eine enorme Verantwortung. Sie kümmern sich um ihre Kinder, organisieren Schule und Betreuung, gehen arbeiten und halten den Alltag am Laufen. In Deutschland betrifft das rund 1,7 Millionen Familien.
Jedes fünfte Kind wächst bei nur einem Elternteil auf. Gleichzeitig tragen Alleinerziehende das höchste Armutsrisiko: 41 Prozent gelten als armutsgefährdet, trotz Erwerbstätigkeit. Bei Paarfamilien mit einem Kind liegt dieser Wert bei nur 8 Prozent. Besonders betroffen sind Frauen: 82 Prozent der Alleinerziehenden sind Mütter, viele arbeiten in Vollzeit und stemmen zusätzlich die gesamte Care-Arbeit.
Ein zentrales Problem ist der ausbleibende Unterhalt. Nur knapp die Hälfte der Alleinerziehenden erhält regelmäßig und vollständig die vereinbarten Zahlungen. 35 Prozent bekommen gar keinen Unterhalt. Wenn das andere Elternteil nicht zahlt, springt der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss ein. Das ist richtig. Aber es zeigt sich eine massive Schieflage: 2024 zahlte der Staat 3,2 Milliarden Euro Unterhaltsvorschuss, zurückgeholt wurden davon nur 17 Prozent. Das bedeutet: Viele, die zahlen müssten und zahlen könnten, tun es nicht, ohne spürbare Konsequenzen. Die Verantwortung bleibt bei den Alleinerziehenden und bei der Allgemeinheit hängen.
Im Koalitionsvertrag von SPD und CDU/CSU wurden Maßnahmen vereinbart, um genau dieser Ungerechtigkeit entgegenzutreten. Unter anderem sollte die hälftige Anrechnung des Kindergeldes auf den Unterhaltsvorschuss umgesetzt werden, eine konkrete Entlastung für betroffene Familien. Außerdem sollte die Durchsetzung von Unterhaltsansprüchen verbessert werden.
Ich wollte wissen: Wie viele der Unterhaltspflichtigen könnten zahlen? Warum wird so wenig Geld zurückgeholt? Welche konkreten Schritte unternimmt die Bundesregierung, um die Rückgriffquote zu erhöhen?
Die Antwort fällt ernüchternd aus (https://dserver.bundestag.de/btd/21/041/2104111.pdf )! Die Bundesregierung weiß nicht einmal genau, wie viele der säumigen Unterhaltspflichtigen tatsächlich leistungsfähig wären. Gleichzeitig bleibt die Rückholquote niedrig, während Länder und Kommunen berichten, dass ihnen Personal und Anreize fehlen, um konsequent Rückgriff zu nehmen. Für die Betroffenen bedeutet das weiterhin Unsicherheit. Bereits angekündigte Verbesserungen stehen wieder in Frage. Das schafft Frust und untergräbt Vertrauen.
Alleinerziehende leisten jeden Tag Enormes, oft unter großem finanziellen Druck. Dafür verdienen sie Respekt, Verlässlichkeit und konkrete Unterstützung statt politischer Verzögerungstaktik. Neben einer gerechteren steuerlichen Entlastung, einem höheren Grundfreibetrag und einer realistischen Anpassung der Mehrbedarfe im SGB II braucht es vor allem eines: eine konsequente Durchsetzung bestehender Unterhaltsansprüche.
Der Staat muss Kinder schützen, aber er darf Verantwortungslosigkeit nicht folgenlos lassen. Wer zahlen kann, muss zahlen. Alles andere geht zulasten der Kinder und der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler.